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Politics

Wildberger: Einsatz von KI-Systemen wie ChatGPT teils „sehr gefährlich“

By staffApril 14, 20264 Mins Read
Wildberger: Einsatz von KI-Systemen wie ChatGPT teils „sehr gefährlich“
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Digitalminister Karsten Wildberger warnt vor einem unkritischen Einsatz von ChatGPT und ähnlichen KI-Systemen, insbesondere bei sensiblen Anwendungen wie psychologischer Beratung.

„Wenn man das nicht richtig macht, auch nicht richtige Vorgaben macht, kann das sehr gefährlich sein“, sagt Wildberger dem Pro-Newsletter Technologie & KI. Seine Aussagen sind auch in der aktuellen Folge des Podcasts Power & Policy zu hören.

Gerade bei komplexen oder sensiblen Themen sieht der Minister klare Grenzen der Technologie. „Sind bestimmte Modelle beispielsweise, wenn sie entsprechend trainiert sind, in bestimmten Fachfragen schon sehr gut? Ja“, sagt der CDU-Politiker. „Reicht das aus, um wirklich eine Diagnose zu stellen? Ein klares Nein.“

Zwar könne KI technologisch „einen ganzen Mehrwert liefern“. Gleichzeitig gelte aber: „Ich würde persönlich, wenn es jetzt in meinem Umfeld wäre, davor warnen, mit diesen Tools in dieser Form zu intensiv zu arbeiten, weil daraus gewisse Abhängigkeiten entstehen können.“

Regulierung reicht aus

Beim Thema KI-Regulierung sieht Wildberger dennoch keinen akuten Handlungsbedarf. „Ich würde schon sagen, dass die Regulierung absolut ausreichend ist”, sagt er. Er warnt vor übermäßiger Strenge auf europäischer Ebene, etwa im Rahmen der KI-Verordnung: „Dann sage ich, ist unsere Regulierung in diesem Bereich viel zu restriktiv. Es genügt überhaupt nicht internationalen Standards.“

Das sei „auch ein Grund, warum sich so viele Unternehmen aus Europa, wenn es um KI-Entwicklung geht, ins Ausland wenden.“

Die KI-Verordnung der EU gehört weltweit zu den umfassendsten Regelwerken für Künstliche Intelligenz. Befürworter sehen darin einen globalen Standard für vertrauenswürdige KI, Unternehmen kritisieren teils hohe Anforderungen.

Europäische Palantir-Alternative 

Wildberger will zudem gemeinsam mit europäischen Unternehmen den Aufbau einer Alternative zur Datenanalyse-Software des US-Konzerns Palantir vorantreiben. „Meine Präferenz ist, dass wir in Europa eigene Produkte und Unternehmen entwickeln, die auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig sind“, sagt er. „Deswegen wollen wir perspektivisch auf europäische Alternativen setzen.“

In Europa gebe es bereits geeignete Anbieter. „Es gibt europäische Unternehmen mit den nötigen Fähigkeiten, die wir unterstützen“. Der Aufbau entsprechender Lösungen brauche jedoch Zeit. „Das kann zwei bis drei Jahre dauern.“

Der Einsatz von Palantir ist in Deutschland politisch und rechtlich umstritten. Kritiker warnen vor Risiken für Datenschutz und Grundrechte sowie vor Abhängigkeiten von einem US-Anbieter. Während Palantir bereits in mehreren Bundesländern genutzt wird, prüfen andere Landeshauptstädte Alternativen oder schließen einen Einsatz aus.

Bis eine europäische Lösung verfügbar ist, zeigt sich Wildberger pragmatisch. „Wenn die Alternative ist, dass keine vergleichbare Lösung zur Verfügung steht, dann hat für mich die Sicherheit Vorrang“, sagt er. „Es ist grundsätzlich möglich, die Technologie so einzusetzen, dass bestimmte Souveränitätsanforderungen erfüllt werden“.

Weniger Abhängigkeit von Microsoft

Auch den Einsatz von Microsoft-Software in der Bundesverwaltung will Wildberger mittelfristig reduzieren. Die Ausgaben des Bundes für Microsoft-Software sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und lagen 2025 bei rund 481,4 Millionen Euro.

„Microsoft ist ein vertrauensvoller Partner seit vielen, vielen Jahrzehnten in Deutschland“, sagt er. Gleichzeitig setze sein Ministerium verstärkt auf Open-Source-Lösungen nach dem Vorbild einzelner Bundesländer wie Schleswig-Holstein.

„Wir sind auf dem Weg, dass wir das auch bei uns im Ministerium in erheblichem Umfang auf Arbeitsplätzen einsetzen.“ Dies sei Teil einer umfassenderen Strategie: „Dass wir auch unabhängig werden wollen, dass wir nicht angreifbar sein dürfen, das steht außer Frage.“ Allerdings sei der Weg lang – auch wegen begrenzter europäischer Alternativen.

Wildberger betont, dass es nicht nur um den Austausch einzelner Anbieter gehe. „Wichtiger ist, nicht nur den Schnitt zu machen, sondern strukturell uns so aufzustellen, dass wir in der Open-Source-basierten Verwaltungssoftware auch Produkte bauen, die skalieren können, die nicht nur für die Verwaltung geeignet sind.“

Dahinter steht auch ein industriepolitischer Anspruch. „Ich will am Wachstum partizipieren, weil wir die Fähigkeiten haben, weil wir die Technologie beherrschen.“ Digitale Souveränität sei daher mehr als reine Unabhängigkeit: „Das ist eine eher offensivere Interpretation.“

Zweites Entlastungskabinett geplant

Um Unternehmen zu entlasten, plant Wildberger zudem ein zweites Entlastungskabinett. „Ziel ist, noch vor der Sommerpause ein zweites Entlastungskabinett einzuberufen. Damit wollen wir die Wirtschaft erneut um mehrere Milliarden Euro Bürokratiekosten erleichtern“, sagt er. „Dafür sind viele Maßnahmen in Arbeit.“

Ein Beispiel sei die Einführung des Gebäudetyps E – also einfacheres Bauen mit günstigeren Standards: „Hierzu befinden wir uns derzeit in konstruktiven Gesprächen mit den anderen Ressorts.“

Für die laufende Legislaturperiode hat sich die Bundesregierung vorgenommen, die Bürokratielast der Wirtschaft um 25 Prozent zu senken, rund 16 Milliarden Euro. Das erste Entlastungskabinett im November 2025 brachte bislang nur beschlussreife Entlastungen von rund 100 Millionen Euro, sollte aber Maßnahmen mit einem Gesamtpotenzial von bis zu 5 Milliarden Euro anstoßen.

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