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Politics

Sparen kann für den Staat teuer werden – POLITICO

By staffOctober 19, 20263 Mins Read
Sparen kann für den Staat teuer werden – POLITICO
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Das deutsche Gesundheitssystem beschränkt sich auf die Behandlung von Folgeerkrankungen der Adipositas, etwa Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Deren Behandlung ist medizinisch notwendig. Die politische Frage lautet jedoch, ob es auf Dauer wirtschaftlich sinnvoll ist, vor allem die Folgen der Adipositas zu finanzieren, anstatt Adipositas direkt zu behandeln. Das ist vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und mangelnder Fachkräfte besonders relevant. Eine vom Institut der deutschen Wirtschaft veröffentlichte Prognose geht davon aus, dass Deutschland bis 2036 rund 4,3 Millionen Arbeitskräfte fehlen könnten. Adipositas ist nicht die Ursache des Fachkräftemangels und auch nicht die alleinige Lösung. Sie ist aber ein Faktor, der die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigen kann. Eine Gesundheitspolitik, die Menschen länger gesund im Arbeitsleben halten will, muss solche Zusammenhänge berücksichtigen.

Entscheidend ist nicht allein, ob eine Therapie kurzfristig zusätzliche Kosten verursacht.

Der Blick ins Ausland zeigt, dass die politische Debatte über die Versorgung von Adipositas auch anders geführt werden kann. In England hat der staatliche Gesundheitsdienst NHS mit einem stufenweisen Rollout medikamentöser Therapien begonnen. Vorgesehen ist der Zugang zunächst für Erwachsene mit einem Body-Mass-Index von mindestens 35 kg/m2 und mindestens einer Begleiterkrankung. Die Behandlung erfolgt über spezialisierte Dienste und soll zunehmend auch in Hausarztpraxen angeboten werden. Grundlage sind Empfehlungen des englischen Instituts NICE. Nach dessen Schätzungen könnten in England rund 3,4 Millionen Erwachsene grundsätzlich die Kriterien für eine Behandlung erfüllen.

Das englische Modell setzt auf definierte medizinische Kriterien, einen schrittweisen Zugang und die Einbettung in bestehende Versorgungsstrukturen. Gerade darin liegt der gesundheitspolitische Unterschied zu der Debatte in Deutschland. Hierzulande richtet sich der Blick fast reflexartig auf die Kosten moderner Arzneimittel und Therapien. Das ist angesichts knapper Kassen nachvollziehbar, greift aber zu kurz. Entscheidend ist nicht allein, ob eine Therapie kurzfristig zusätzliche Kosten verursacht. Zu berücksichtigen sind ebenso Kosten unbehandelter oder zu spät behandelter Erkrankungen und demgegenüber mögliche Einsparungen durch vermiedene Folgeerkrankungen, weniger Arbeitsausfälle und einen längeren Verbleib im Erwerbsleben. Für Deutschland stellt sich also die grundsätzliche Frage: Soll die medikamentöse Behandlung von Adipositas weiterhin aus der Regelversorgung ausgeschlossen bleiben oder braucht es, ähnlich wie in England, einen zielgerichteten und stufenweisen Zugang für Menschen mit Adipositas?

Gesundheit als Investition

Eine moderne Adipositas-Versorgung ist eine Investition in die Stabilität von Gesundheitswesen, Arbeitsmarkt und Sozialversicherung zugleich. Zugelassene medikamentöse Therapien sollten dort eingesetzt werden können, wo sie medizinisch angezeigt sind. Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie bleiben auch weiterhin wichtige Bestandteile, reichen aber in manchen Fällen nicht aus. Notwendig ist ein Versorgungskonzept, das Prävention, Früherkennung und leitliniengerechte Behandlung verbindet.

Wer nur kurzfristige Ausgaben betrachtet, riskiert, langfristig höhere Belastungen zu finanzieren.

Gerade in Zeiten knapper Kassen verlangt ein verantwortungsvoller Haushalt eine vollständige Kostenrechnung. Die entscheidende Frage lautet daher nicht allein, was eine Behandlung kostet, sondern auch, welche Kosten durch Nichtbehandlung entstehen. Wer nur kurzfristige Ausgaben betrachtet, riskiert, langfristig höhere Belastungen zu finanzieren.

CMAT-57793; Oktober 2026

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